Wem haben wir das zu verdanken?
Ein Geschenk der USA
Während der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts herrschte in Berlin bedingt durch massive Zerstörungen am Ende des 2. Weltkrieges und durch hohe Flüchtlingsströme aus den Ostgebieten Deutschlands eine große Wohnungsnot. Dieses Problem verschärfte sich 1953 noch einmal, als der Volksaufstand in Ostdeutschland begann.
So kam es, dass man 1957 in Berlin über ein großzügiges Geschenk der USA verhandelte.
600 Häuser sollten als Eigenheime für anerkannte politische Flüchtlinge mit C-Ausweis und Lastenausgleichsanspruch erbaut werden.
377 dieser Häuser wurden auf einem Siedlungsgelände auf landwirtschaftlicher Fläche und Kirchenland errichtet und erhielten den Namen Finnenhaussiedlung.
Seltsam - ein Geschenk der USA wurde nach den nordöstlichsten Bewohnern Europas benannt.
Die finnische Regierung hatte wohl zu jener Zeit hohe Verbindlichkeiten gegenüber den Vereinigten Staaten, die möglicherweise aus dem Verteidigungskrieg gegen die Sowjetunion herrührten. Da sie ihre Schulden aber nicht begleichen konnte, bot sie zum Ausgleich Holz und Holzhäuser an.
So kam es zu einem „Dreiecksgeschäft".
Der Architekt Scheibe von der GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten-AG) als Bauträger zeichnete die Baupläne, die Firma Puutalo in Finnland erstellte die Holzfertigbauteile und die USA finanzierten das gesamte Vorhaben.
Am 9. August 1958 titelte eine Zeitung:
„379 Finnenhäuser warten in Kladow auf ihre Bewohner".
Weiter hieß es: „Bei Kladow ist eine stattliche Holzhaus-Siedlung entstanden. Es ist eine Finnen-Siedlung, weil die 379 Häuser aus hölzernen Fertigteilen aus dem Land der tausend Seen und Wälder eingeführt wurden."
Als auf der Baustelle am Kladower Damm zwischen Havel und Gatower Flughafen am 11. August 1958, um 15.30 Uhr das Richtfest gefeiert wurde, war es der Schwester des amerikanischen Politikers John Foster Dulles, Eleonore, vorbehalten, diese Zeremonie vorzunehmen. Doch das gerät leicht in Vergessenheit, weil die finnischen Straßennamen so gar keine Rückschlüsse auf die amerikanische Hilfeleistung zulassen. Unsere Straßen erhielten nämlich ausschließlich Namen von berühmten finnischen Persönlichkeiten wie Topelius, Lönnrot, Runeberg, Porthan, Krohn und Sibelius. Eine Ausnahme machen die Häuserzeilen, die von Spandau kommend rechts vom Kladower Damm liegen und den Namen dieser Straße tragen.
